Trauergottesdienst für Liane Bahler
Am 14.07.2007,in der Trinitatiskirche in Bechstedt-Wagd

Eingangswort:
Im Namen Gottes:
Er ist die Quelle des Lebens.
Im Namen Jesu Christi:
Er bringt uns vom Tod zum Leben.
Im Namen des Heiligen Geistes:
Er trägt uns durch dunkle Tage
und führt uns ins Licht.
Amen.

Uns allen ist schwer ums Herz.
Wir fürchten den Weg, den wir in dieser Stunde vor uns haben,
und müssen ihn doch gehen.
Das Leben von Ihnen allen,
die sie mit Liane verbunden waren,
ist ärmer geworden.
Wir wollen uns in dieser Stunde einander zuwenden
Und uns gegenseitig helfen, sie zu bestehen.
Wir bringen unsere Trauer auch vor Gott
in Worten, im Schweigen oder in Tränen
und hoffen, dass wir Trost finden.

Gebet:

Gott, darauf war keiner gefasst: Mitten im Leben der Tod.
Sei uns nahe in dieser Stunde und gib uns Kraft.
Laß uns nicht bitter werden über dem Verlust.
Laß uns nicht mutlos bleiben für das Leben, das weitergeht.
Laß uns die Botschaft von deiner Liebe trauen,
die stärker ist als der Tod:
Sie verbindet uns und Liane, von der wir Abschied nehmen.
Amen.

Lebenslauf:

Wir sind zusammengekommen, um Abschied zu nehmen von Liane Bahler,
und wir wollen zunächst noch einmal an einige Stationen ihres
Lebensweges zurück denken:

Sie war geboren worden am 22.01.1982 in Gotha und wuchs zusammen mit der älteren Schwester Katja und dem jüngeren Bruder Thomas auf. Im Geschwisterkreis war Liane immer in der Rolle der kleineren Schwester geblieben, auch dem jüngeren Bruder gegenüber.
Schon als Schulkind hatte sie sich dem Sport zugewandt, zunächst mit etwa 9 Jahren dem Reitsport. Nach einem Unfall mit einem Reitpferd wechselte sie zum Radsport. Im Jahr 1994 erlebte sie bei einem Radrennen die Faszination dieser Sportart und meldete sich beim
RSC Waltershausen an. Später führte ihr Weg zum RV Elxleben, wo sie 6 Jahre lang aktiv war. Erst kürzlich ist sie diesem Verein wieder beigetreten. Der Weg zur Berufssportlerin führte über die Sportförderung der Bundeswehr, wo sie gleichzeitig auch die Unteroffiziersausbildung absolvierte und als Hauptgefreite abschloß. Bei verschiedenen Teams fand sie gute Kameradschaft, engagierte Trainer und aufgeschlossene Sponsoren, so bei der Equipe Nürnberger Versicherungen, bei einem holländischen Team und bei dem italienischen Team Fenix, für das sie am Tag ihres Unfalls unterwegs war. Besonders beigetragen zu ihren sportlichen Erfolgen hat das Coaching durch Herrn Herbert Oppelt und die Förderung durch den Bund Deutscher Radfarer, wo ein besonderer Dank Herrn Dornbusch gilt. Vor allem aber hat das Training durch die eigene Mutter zu ihrer Entwicklung und Motivation beigetragen. Ihr sportlicher Ehrgeiz wurde von vielen bewundert. Er bewahrte sie auch vor dem Absturz oder der Aufgabe in solchen Zeiten, wo ihr die erhofften Erfolge versagt blieben. Immer wieder, auch wo andere das Rad in die Ecke gestellt hätten, hat sie unermüdlich trainiert und sich selbst und die Konkurrentinnen gestellt. Das viele Unterwegssein in ganz Westeuropa und bis in die USA hat sie als Bereicherung und Horizonterweiterung angesehen und auch genossen.
In ganz besonderer Weise hat die Partnerschaft mit ihrem Freund Marcel zur Persönlichkeitsentwicklung und zur Stabilisierung ihrer sportlichen Leistungsfähigkeit beigetragen. Ein bewegendes Zeugnis für die Stärke, die Sie beide aus ihrer Beziehung gewonnen haben, ist die Tatsache, dass ihr in dieser Zeit keine Rad-Unfälle mehr passiert waren. Und als Familie haben sie bemerkt, dass sie an Offenheit und Lebensfreude gewonnen hatte. Die Großeltern hatten für Liane seit der Kindheit bis heute große Bedeutung.
Regelmäßig wurde die Oma mütterlicherseits nach einem sportlichen Sieg mit Blumen beschenkt. Auch zur Cousine Kathrin bestand eine enge Beziehug. Das Zuhause und die Familie waren für sie immer Ort der Geborgenheit. Mit dem Hund Basko verband sie eine unzertrennliche, innige Beziehung. Mitten ins Alltagsleben, ins friedliche Miteinander der Familie und in die Freude auf neue sportliche Herausforderungen hinein kam ihr Unfalltod am 4.Juli.Sie war auf dem Weg zum Flughafen, um zu einem Wettkampf nach Italien zu reisen.

Predigt:

Gott wir wissen nicht, was wir tun sollen Aber unsere Augen sehen nach dir.
(2.Chronik 20,12b)

Liebe Angehörige von Liane, Eltern und Geschwister und lieber Marcel, liebe Großeltern, Tante und Cousinen, liebe Freunde und Kameraden aus Verein und Beruf, liebe Nachbarn hier aus unserem Ort, liebe Trauergemeinde!

„Wir wissen nicht, was wir tun sollen“, so beginnt unser Bibelwort. Ja, das ist die bittere und schwer zu ertragende Wahrheit dieser Tage seit Mittwoch letzter Woche. Jeder von uns hat dieser Tod hilflos und stumm gemacht. Auf den vielen Beileidskarten, die Sie schon bekommen haben und die in ihrer Wohnung links und rechts neben den Foto von Liane aufgereiht sind, steht immer wieder: Wir haben keine Worte, und können es nicht fassen. Und auch viele von uns hier sind wohl mit diesem Gedanken hergekommen: Was soll ich tun, was soll ich sagen, wie werde ich selber es ertragen können, Lianes Sarg zu sehen, an ihr Grab zu treten?
Viele können Ihnen, den nahen Angehörigen, wohl nur ohne Worte, mit stillem Händedruck, ihre Betroffenheit und Trauer zeigen. Zwar stehen wir Menschen vor dem Tod immer hilflos da, vor jedem Tod. Auch bei solcher Begegnung mit dem Tod, wo nicht unser ganzes Leben auf den Kopf gestellt ist, wo wir nicht mit dem Leben hadern müssen, wissen wir erst mal nicht, was wir tun und sagen sollen. Wie viel mehr gilt von diesem Tod von Liane: Wir wissen nicht. Auch das Warum wissen wir nicht.

Und noch weiter geht unser Nicht- Wissen: Nicht nur, dass wir nicht begreifen, was geschehen ist und nun schon 1 ½ Wochen hinter uns liegt. Auch für unsere Gedanken an die Zukunft gilt: Wir wissen nicht. Wie werden Sie als Eltern und Großeltern, als Geschwister und als Freund mit dem Erschrecken und dem Verlust weiter leben können? Wie kann es dem Team und dem Freundeskreis gelingen , wieder in einen normalen Alltag zurück zu finden?

Und noch ein Drittes, was auch zu unserem Nicht-Wissen gehört:
Wir alle werden ja, wenn der Tod in unser Leben tritt, ganz gleich, auf welche Weise das geschieht, auch daran erinnert, dass wir selber auch sterben werden. Wann wird das sein? Bald oder noch lange nicht? Und wie? Als böser Schicksalsschlag oder als Erlösung? Wir wissen nicht.

Liebe Trauergemeinde, in einer solchen Situation sind das Beieinandersein und der Zusammenhalt untereinander etwas ganz Wichtiges. Und so ist es gut, dass so viele gekommen sind zum Abschied von Liane und um ihre leidgeprüfte Familie nicht allein zu lassen auf ihrem schweren Weg. Möge das über diese Stunde hinaus noch lange so sein, dass Sie liebe Angehörige, begleitet werden von vielen Freunden und Bekannten, Verwandten und Nachbarn. Viel mehr können wir als Mit-Trauernde kaum tun als ihnen aufmerksam, mitfühlend und zugewandt zu begegnen und Sie nicht allein lassen. Aber dieses Wenige zu tun, das dürfen und wollen wir auch nicht versäumen.

Und dann gibt es noch etwas, was wir tun können, in und trotz aller unserer Ratlosigkeit. Das Bibelwort, das über dieser Stunde steht, spricht es in seinem zweiten Teil aus. Nach dem ersten Satz „Gott, wir wissen nicht, was wir tun sollen“ heißt es weiter:“ Aber unsere Augen sehen nach dir.“ Dieses „ Aber“, liebe Trauergemeinde, das ist im Angesicht des Todes schon ein sehr besonderes Wort. Denn im Grunde ist doch das unsere Lebenserfahrung: Gegen den Tod gibt´s kein Aber. In diesem alten, Jahrtausende alten Wort der Bibel ist es anders. Da sagt einer, der überhaupt nichts weis, keine Antwort auf die Frage Warum; der nicht weis was er tun soll; der am Ende ist und nur den Tod vor Augen hat, der sagt: „Aber“. “Aber unsere Augen sehen nach dir, Gott.“ Aufblicken, Ausschau halten, neue Aussicht gewinnen nach schweren, schwarzen Tagen- wie kann das gelingen? Unser Bibelwort berichtet von Menschen, die auf Gott sehen. Es ist einer der wichtigen Grundgedanken des christlichen Glaubens, dass Gott mehr weis und sieht als wir. Er hat den Überblick, während es für uns immer wieder einmal heißen muss: Wir wissen nicht. Auf Gott schauen, das ist die Möglichkeit, teilzuhaben an seinem Überblick. Ich möchte es mit einem Bild aus der Lebenswelt von Liane sagen: Wer es in ihrem Sport und ihrem Beruf zu etwas bringen will, der braucht einen guten Trainer. Der Trainer hat den besseren Überblick. Er sieht größere Zusammenhänge. Er ist, denke ich, für die meisten Fälle unklug, dem Trainer etwa zu sagen: Ich höre nicht auf dich. Meine Augen sehen nicht nach dir

Darum sagen Menschen immer wieder, und darum sagen wir in dieser Stunde: „Gott, unsere Augen sehen nach dir. „Was sehen wir denn, liebe Trauergemeinde, wenn wir das tun? Wir sehen Jesu Christus und den Weg, den er gegangen ist: den Weg durch alle Höhen und Tiefen des menschlichen Daseins, den Weg durch Glück und Schuld, durch Hoffnung und Verssagen, Siegen und Scheitern. Auch den katastrophalen, erschütternden Tod gibt es auf dem Weg Jesu. Und dann das „Aber“ gegen den Tod: In Jesus Christus hat Gott gezeigt, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Von ihm wissen wir, dass der Tod auf unserem Weg ist, aber nicht das Ende. Am Ende steht nicht der Tod auf dem Siegerpodest, sondern das Leben.

Ja, der Tod ist ein Ende, schmerzlich und unbarmherzig. Vieles macht er kaputt: unsere Gemeinschaft, unsere Hoffnungen, die vielen Jahre und Jahrzehnte, die Liane noch hätte leben und sich des Lebens freuen können- nach menschlichem Ermessen war es ja doch erst mal höchstens ein Drittel der Lebenszeit, die sie hätte haben können.

Neben dem, was der Tod zerstört, gibt es aber auch manches, das bleibt: Schöne, fröhliche Erinnerungen; ein ganzes Stück Stolz auch auf das, was Liane aus eigener Stärke und mit Hilfe der Familie und der Freunde erreicht hat; die Dankbarkeit, dass wir sie hatten und dass wir für ihr Leben wichtig waren. Das ist ein großer Schatz, der erhalten und bewahrt bleiben soll. Und dann, wenn der Tod nicht das letzte Wort hat, wenn nicht der Tod auf dem Siegerpodest steht, sondern das Leben, dann kann sogar trotz des Todes Neues beginnen. Eine Welt, von der wir wissen, weil Jesus Christus auferstanden ist. Wir können sie nur mit Andeutungen, in Bildern, mit Hoffnungsworten beschreiben; nachher am Grab werden wir ein solches Hoffnungswort lesen, wo es heißt: Gott wird alle Tränen abwischen, kein Leid, kein Schmerz wird mehr sein.

„Gott, unsere Augen sehen nach dir.“ Dieses Bibelwort über diese Abschiedsstunde heißt: Gott, wir hoffen für Liane, dass sie in dieser Welt ist. Sie soll es gut haben, sie soll aufgehoben und geborgen sein in dieser Welt ohne Schmerzen, ohne Dunkelheit, ohne Bitterkeit. Und wir hoffen für uns selber auf diese Welt- damit wir weiterleben können mit den Schmerzen, die uns das Leben bereitet, und doch mit einem neuen mutigen und freundlichen Ja zum Leben. Mit einem „Aber“ gegen Lianes Tod und gegen allen Tod, den es täglich und tausendfach gibt. „Gott“, unsere Augen sehen nach dir“. Es ist unser Wunsch für Sie, liebe Angehörige, und, ich glaube, unsere Hoffnung für uns alle hier, das unsere Augen und unsere Herzen bald wieder die Sonne sehen. Zwar wissen wir nicht, was wir tun sollen. Aber unsere Augen sehen, Gott, nach dir.

Gebet:

Allmächtiger, barmherziger Gott,
das Erschrecken über den Unfalltod von Liane ist uns noch ganz nah.
Nun müssen wir Abschied nehmen.
Wir vertrauen Liane dir an.
Sei ihr gnädig und lass sie geborgen sein in deiner Liebe.
Wir wollen dir danken für das,
was wir mit Liane und durch sie Schönes erleben durften.
Wir wollen um Vergebung bitten für das, was wir versäumt haben oder ihr schuldig geblieben sind.
Wir bitten dich für die Angehörigen um Trost
Und um die Kraft, sich wieder dem Leben zuzuwenden.
Wir bitten für uns alle, die wir durch diesen Tod erinnert wurden
An die Begrenztheit und die Gefährdung unseres Lebens:
Lass uns aufmerksam und zugewandt miteinander leben.
Lass uns die Zeit nutzen,
die wir füreinander noch geschenkt bekommen.
Lass uns die Hoffnung finden und behalten,
dass unser Leben nicht im Grab endet, sondern in deiner Liebe.
Amen.

Abschiedssegen:

Wir begraben Liane Bahler.
Sie wurde 25 Jahre, 5 Monate und 10 Tage alt.
Wir geben sie in Gottes Hände.
Liane Bahler,
Gott der Schöpfer hat dich ins Leben gerufen
Er soll dir auch jetzt nahe sein.
Jesus Christus ist durch unser Leben gegangen
Und geht uns voraus durch den Tod ins Leben.
Der heilende Geist Gottes
Geleite dich zum ewigen Leben.

So segne und behüte dich
Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
Amen.

Schriftlesung:

Aus der Offenbarung des Johannes, Kap. 21:

Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde vergingen. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron, die da sprach: Siehe da, Gott wohnt bei den Menschen. Und er wird bei ihnen bleiben, und sie werden sein ein Volk, und er selbst, Gott, wird mit ihnen sein. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen. Und der Tod wird nicht mehr sein, kein Leid, kein Geschrei, kein Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen. Und der auf den Thron saß, sprach:
Siehe, ich mach alles neu.